Flowers in Gods Garden Articles
16/03/03 - Avengers of the murdered? (German)
Kultur magazine

Rächer der Ermordeten?
Der Brite Bernard O´Mahoney und seine Briefe an die Unterwelt


Im April 1999 schocken die englischen Medien ihr Publikum mit dem Röntgenbild vom Schädel eines Babys, in dem ein zehn Zentimeter langer Nagel steckt. Der Säugling und weitere 49 Menschen sind bei einem Bombenanschlag im Londoner Immigrantenviertel Brixton verletzt worden. Ein mysteriöser Nagelbomber versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Tage später detoniert die zweite Bombe in einem Viertel in London, wo vor allem Bangladescher leben. 13 Menschen werden verletzt. Dann geht die letzte und schlimmste Nagelbombe in einer Schwulenbar in Soho hoch. Bald darauf wird der angebliche Täter, David Copeland, verhaftet. Noch am selben Tag greift Bernard 0´Mahoney zu Stift und Papier. Er gibt sich als Frau aus, schickt ein fingiertes Foto mit und kann dem Täter so das entscheidende Geständnis entlocken. Seit 1991 hat der Brite sich mit Hunderten von Briefen in das Herz von Frauenkillern und Kindermördern geschrieben und ihnen so Geständnisse entlockt. Dreimal konnten die Täter aufgrund der Briefe verurteilt werden.

"Manche Leute ärgern sich über Kriege, andere über die Ozonschicht, manche regen sich auf über verbleites Benzin und gehen dagegen auf die Straße. Mir missfallen Leute die Kinder verstümmeln und umbringen. Wenn ich helfen kann, dass sie aus dem Verkehr gezogen werden, bin ich zufrieden."
(Bernhard O’Mahoney / Buchautor)

Bernard O´Mahoneys derzeit letzter Fall ist Shaun Anthony Armstrong, der in Hartlepool ein dreijähriges Mädchen aus der Nachbarschaft vergewaltigt hatte. Armstrongs Hund griff das Mädchen an und biss es zu Tode. 0´Mahoney schlüpft in die Rolle von Laurna-Jane Stevens, einer Tanzlehrerin aus London mit kastanienbraunem Haar. Der selbsternannte Rächer der Ermordeten und Vergewaltigten wundert sich nicht mehr, wie schnell der Kontakt geknüpft ist.

"Wer ein Kind umbringt oder sonst ein Verbrechen begeht, das einen Aufschrei in der Bevölkerung auslöst, der ist in dem Moment der am meisten verabscheute Mensch auf dem Planeten. Die Gefängniswärter beschimpfen ihn, andere Häftlinge beschimpfen ihn, er ist eingesperrt in dieser kleinen Betonzelle, die ganze Welt hasst ihn. Und dann kommt da plötzlich mein Brief durch die Tür, dieser kleine Hoffnungsschimmer."
(Bernard 0´Mahoney)

Bernard O'Mahoney war selbst mehrmals im Gefängnis, wegen Diebstahls, Hehlerei und Körperverletzung. Über seine Zeit als Mitglied der in England berüchtigten Essex-Bande wurde sogar ein Film gedreht. Als drei seiner Freunde im Kugelhagel umkamen, stieg O’Mahoney aus. Seitdem verarbeitet und vermarktet er seine Vergangenheit in mehreren Büchern, die bisher nur in England erschienen sind. Schreiben ist seine Art, mit seiner Vergangenheit umzugehen. "Soldier of the Queen" handelt von seiner Zeit als englischer Soldat in Nordirland. "Essex Boys" beschreibt den Mord an seinen Freunden. Gerade jetzt hat die Arbeit an seinem neuen Buch abgeschlossen. Es heißt "Flowers in Gods Garden", nach dem Satz, den der Mörder der kleinen Rosie ihm in seinen Briefen einschärfte.

"Sie haben keine Chance gegen mich, wenn ich auf schuldunfähig plädiere. Bitte, erzähl es niemandem, oder ich stecke tief in der Scheiße. Gott weiß, dass ich nicht verrückt bin, aber wenn ich so davonkommen kann, werde ich die Chance ergreifen. "
(Zitat aus dem Brief Shaun Anthony Armstrong)

"Please Don`t Tell" dokumentiert die Geständnisse, die O’Mahoney über zwölf Jahre Englands brutalsten Verbrechern entlockte, in mehreren Fällen an Boulevardblätter verkaufte und schließlich der Justiz zur Verfügung stellte. Noch steht die Veröffentlichung des Buches aus, da Shaun Anthony Armstrong gegen das Erscheinen klagt. Auch Richter und Anwälte sehen Bernard 0´Mahoneys Methoden mit gespaltenen Gefühlen.

"Die Beweise wurden nicht gerade mit offenen Armen aufgenommen. Der Richter im Copeland-Prozess sagte, was ich getan hätte, sei verachtenswürdig. Der Staatsanwalt schloss sich an. Aber trotzdem haben sie die Briefe als Beweis anerkannt. Und was Journalisten, Anwälte oder Richter denken, ist mir sowieso egal.(...) Heutzutage hast du all diese Journalisten und liberalen Menschen auf dem Hals. Die glauben, keiner ist mehr für irgendetwas schuldig. Und wenn mal einer verurteilt wird, ist das Protestgeschrei groß. Deshalb gibt es den Familien der Opfer eine enorme Genugtuung, wenn sie wissen: Der Mann ist hundert Prozent schuldig und es gibt keine Berufung."
(Bernard 0´Mahoney)

Für die britische Justiz liegen die Dinge nicht ganz so einfach. Sie verlangt zusätzliche Beweise, bevor sie Geständnisse anerkennt, die unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erlangt wurden. O’Mahoneys Kreuzzug gegen das Böse bringt ihm Sympathien beim Publikum. Aber die vom ihm verachteten liberalen Anwälte sehen sein Vorgehen mit äußerster Skepsis.

"Please Don´t Tell" wird in diesem Jahr noch in England erscheinen.

Buchtipps:

Bernard 0´Mahoney
Dream Solution: The Murder of Alison Shaughnessy - And the Fight to Name Her Killer
Mainstream Publishing, 2001.
ISBN: 1840184671
EUR 15,33

Bernard 0´Mahoney
A Soldier of the Queen.
Mount Eagle Publications, 2000.
ISBN: 0863222625

Bernard 0´Mahoney
Essex Boys: A Terrifying Expose of the British Drugs Scene
Mainstream Publishing, 2000.
ISBN: 1840182857

Bernard 0´Mahoney
So This Is Ecstasy?
Mainstream Publishing,1996
ISBN: 1851588965
Contact : bernard.omahoney@bernardomahoney.com
Flowers in Gods Garden
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