Flowers in Gods Garden Articles
Bernard O'Mahoney
04/05/03 - Avengers of the murdered (german)
ZDFonline

ML Mona Lisa am 4. Mai 2003

Rächer der Ermordeten
Bernard O'Mahoneys Kampf um Gerechtigkeit

Bernard O'Mahoney hat seit 1991 über tausend Briefe an Frauenmörder und Kinderschänder geschrieben. Manchmal gab er sich als Frau aus, um das Vertrauen der Verbrecher zu gewinnen. Drei Mal erhielt er so prozessentscheidende Geständnisse.
02.05.2003

Sein Motiv: Er mag keine Menschen, die Frauen und Kinder umbringen. Und er wollte nicht weiter tatenlos zusehen. Denn in Großbritannien darf die Polizei die Briefe von Verbrechern nur in Ausnahmefällen lesen. Und es beunruhigte ihn, sagt er, dass ein Mann, der ein dreijähriges Mädchen vergewaltigte und umbrachte, so seiner gerechten Strafe entgehen könnte.

O'Mahoney liest aus Briefen
Prozessentscheidende Geständnisse
Die Dreijährige war Rose, die 1995 vergewaltigt wurde. Der Hund des Täters biss dabei das Mädchen tot, weil es sich wehrte. Shaun Amstrong wollte als vermindert schuldfähig gelten. Über eineinhalb Jahre schrieb O'Mahoney dem Mann. Er gab sich als Tanzlehrerin mit kastanienbraunem Haar aus. Der Mechaniker verliebte sich in die fingierte Briefpartnerin, fasste Vertrauen zu ihr. Im 80. Brief dann gestand er ihr die Wahrheit: "Ja, ich bin verantwortlich für meine Tat. Ich war geistig so fit wie ein Turnschuh. Ich habe dem Gericht einen vorübergehenden Zusammenbruch vorgetäuscht, so dass ich weniger Zeit absitzen muss. Das ist die Wahrheit." Shaun Amstrongs Briefgeständnis war prozessentscheidend.

Und auch in zwei weiteren Fällen war Bernard O'Mahoney erfolgreich. David Copeland tötete und verstümmelte 1999 in London mit drei Nagelbomben Dutzende von Menschen. Auch er beteuerte seine verminderte Schuldfähigkeit, machte sich aber in Briefen an Bernhard O'Mahoney über die Psychiater lustig.
Brief von Richard Blenkey an Bernard O'Mahoney

Richard Blenkey vergewaltigte und tötete 1991 den siebenjährigen Paul. Die Tat stritt er ab. Aber im 36. Brief an O'Mahoney gestand Blenkey schließlich sein Verbrechen. Auch dieser Brief wurde als Beweis vor Gericht anerkannt.

Warum schreibt er Briefe?
"Ich besuchte Blenkey einige Male. Es ist nicht angenehm, Freundschaft vorzuspielen und dabei zu wissen, was sie getan haben. Aber man bekommt einen faszinierenden Einblick in ihre Gedankenwelt. Wenn man jemandem über längere Zeit hinweg schreibt, dann lernt man ihn kennen. Im Gespräch sind die Täter mehr auf der Hut. Aber in Briefen, scheint es, öffnen sie ihr Herz, sind sie freier", sagt Bernard O'Mahoney.

Eigene kriminelle Vergangenheit
O'Mahoney weiß, wovon er spricht. Er war selbst mehrmals im Gefängnis, wegen Diebstahl, Hehlerei, Körperverletzung. Gerade mal 14 Jahre alt, kam er zum ersten Mal mit der Polizei in Konflikt. Seine Erfahrungen im Gefängnis halfen ihm, das Vertrauen von Kinder- und Frauenmördern zu gewinnen, sagt er: "Im Gefängnis werden solche Verbrecher von den anderen geächtet. Sie werden beschimpft, von den Wärtern eingeschüchtert. Und wenn sie dann plötzlich einen Brief bekommen, in dem ihnen Zuwendung und Verständnis entgegengebracht wird, dann ist es für sie wie ein Lichtstrahl in der Dunkelheit. Es ist deshalb ziemlich einfach, den Weg in ihr Inneres zu finden."

Eigenwilliger Kampf um Gerechtigkeit
Den Anreiz zum Ausstieg aus der Unterwelt schaffte die Ermordung von drei Freunden aus der Drogenmafia und der Tod der 18-Jährigen Leah, die 1995 an Ecstasy starb. O'Mahoney war Sicherheitschef in der Disco Raquel, ein Drogenumschlagplatz, wo auch Leah die tödliche Droge bezog. Da hatte er endlich genug.

Band Mesh 29
Heute ist O'Mahoney Leiter eines Fuhrunternehmens. Gelitten hat er in seiner Kindheit unter dem gewalttätigen Vater, der die vier Kinder und die Mutter prügelte. Seit Jahren schon steckt er das Geld, das er für seine Artikel und Bücher bekommt, in kleine Projekte für Kinder oder Jugendliche. Und er managt "Mesh 29". Die zwei begabten jungen Musiker kennen seine Vergangenheit und schätzen ihn. Ja, er bewundere ihn, sagt Adam, denn wenn er etwas wolle, dann setze er es auch durch.

Nach O'Mahoneys Erfahrungen sind seine Briefpartner meist selbst missbraucht worden und unaufhaltsam auf die Katastrophe zugesteuert. Für ihn gibt es dann einen Punkt, wo sie selbst vom Opfer zum Täter werden. Und ihn interessiert dann, was sie dazu treibt, die gleichen Verbrechen zu begehen, die man ihnen angetan hat. Seine unausgesprochene Botschaft lautet daher: Kümmere dich um Kinder und um junge Menschen, um das Böse abzuwenden.

von Helga Ettenhuber, bearbeitet für ZDFonline
Contact : bernard.omahoney@bernardomahoney.com
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